Nach knapp 6000 Seemeilen hat sich der Rumpf unserer CV24 mehr oder weniger komplett entblösst. Schon am Fusse von Japan lösten sich die ersten Stücke der Folie wieder vom Rumpf ab und die langwierige Arbeit der chinesischen Hafenarbeiter schien umsonst gewesen zu sein. In zahlreichen Stunden haben sie die Folie mit Heissluft und Spachtel an unseren Rumpf gepresst, allerdings ohne dabei die alte Folie zu entfernen oder gar das Schiff aus dem Wasser zu nehmen.
So ist es vielleicht auch nicht weiter erstaunlich, dass uns am Steuer immer wieder mal Stücke der Folierung entgegenkamen. Während die zahlreichen Stürme ihr Gutes daran taten, ganze Fetzen abzureisen, nagte die See aber auch sonst ununterbrochen an unserem Branding.
Wir selber haben besonders am Anfang versucht, die grossen, losen Stücke abzuschneiden, da diese einerseits das Schiff bremsen und sie andererseits so auch nicht mehr in die See fallen können. Das war immer wieder ein Spektakel, da zumeist ich fluchend und kopfüber am Rumpf hing, roter Kopf, Messer zwischen den Zähnen, die Lifeline am Jackstay festgemacht und je ein Mate welcher mich an je einem Bein festhielt. Um den Wellen auszuweichen waren dann die Bauchmuskeln gefragt, anders konnte man der anrauschenden See nicht entkommen. Dabei konnte man nur auf den Steuermann hoffen und dass er doch bitte ohne Zig-Zag geradeaus fuhr. Aber was tut man nicht alles, um 0.05 kn schneller zu segeln.
Immerhin, die Fahrt von der Bell Harbor Marina in die Shilshole Bay Marina war kurz und schön, wenn auch sehr früh (Ablegen war um 6:00 Uhr). Dennoch, mit einem Kaffe in der Hand den Seelöwen zuzuschauen, wie sie auf die Bojen klettern und sich in der aufgehenden Sonne aufwärmen machte die kurze Nacht wett. In der Marina angekommen mussten wir feststellen, dass die Hafenarbeiter offenbar noch nicht auf Posten sind und so fuhren wir vor dem Kran für eine halbe Stunde auf und ab.
Dann, als endlich jemand am Kran aufkreuzt und uns hereinwinkte brach ganz langsam aber stetig Nervosität aus. Fender ja oder nein? Bug oder Heck voraus? Leinen vom Kran oder von uns? Wir haben vorsichtshalber alles vorbereitet, Fender und Leinen klar, Bug voraus. Natürlich kam es dan anders, das Schiff soll achtern ohne Leinen, Fender und am Schluss ohne Maschine in den schmalen Kran navigiert werden, auf beiden Seiten bleiben je ein halber Meter Luft zwischen blanken Betonpfeilern und unserer CV24. Naja, zumindest für kurze Zeit haben wir den halben Meter auf einer Seite unterschritten, was zu einem kleinen Kratzer führte... Zu unserer Verteidigung muss man aber erwähnen, dass das Schiff normalerweise auch von sechs Kranarbeitern mit Stangen in den Kran geführt wird und nicht von den zwei Seglern, die auf dem Schiff sind. Als dann aber der Kranführer seine Crew bereit hatte und die Kabel richtig herum gedreht hatte (sie waren verdreht, als wir bereits im Kran waren!) ging es plötzlich flott und nach 20 Minuten waren wir an Land.
Ingesamt lief alles gut, unsere CV24 wird nun sandgestrahlt und neu foliert. Der Rumpf sieht wunderbar aus, sehr sauber und ohne Schäden, selbes gilt auch für die Schraube und alle Seeventile. Einziger Wermutstropfen ist das Steruerbord-Ruder, welches in China ersetzt werden musste, da es doch merkbar dicker ist, als das originale an Backbord – allerdings, und da hat der Mechaniker von Clipper wohl recht, hätten wir das Schiff in Brasilien auch nicht am Strand parken müssen, dann wäre nämlich noch ein neues Ruder übrig.